Geschichten bestehen aus unzähligen Charakteren, sowohl wichtigen als auch unwichtigen. Hierbei gibt es natürlich auch jene, die tatsächlich nur Hintergrundrauschen sind und sich oft hinter Personengruppenbegrifflichkeiten verstecken, z. B. Leute, Personen, Bewohner, Soldaten usw.
Reine Rollenbezeichnungen, wie der Mitschüler, der Kollege oder der Chef wirken oft deplatziert, obwohl der Protagonist nah genug am Geschehen ist, um einen Namen zu kennen.
• Doch wann und wieso werden Namen benötigt?
Zu Beginn einer Geschichte wird der Leser in ein fremdes Setting geworfen, sodass Namen der Orientierung dienen und zeigen, dass der Protagonist nicht gerade erst geboren wurde, oder ein Fremder in der eigenen Erzählung ist.
Wie schon in unserem Beitrag Macht von Namen erwähnt, geht es um Nähe, aber auch um Glaubwürdigkeit, Immersion und den Weltenbau.
• Beispiele, in denen Charaktere Namen tragen sollten:
– Umfeld (Vielleicht kennt man die Person nur vom Hörensagen, aber das reicht aus, um einen Namen zu rechtfertigen.)
– Überschneidungen (Beruf, Hobby, Recherche usw.)
– Einfluss auf Handlung (Charaktere, die aus storytechnischer Sicht einen Zweck erfüllen.)
– Emotionaler Effekt (In Krimis gibt es keine namenlosen Leichen.)
– Wiederkehrende Charaktere (fahrende Händler, umherziehender Musiker usw.)
Auch tierische Wegbegleiter, die nicht immer eine Persönlichkeit mitbringen, und magische Geschöpfe verdienen Namen, selbst wenn sie nur als Transportmittel genutzt werden, da sie aus Sicht des jeweiligen Charakters relevant sind.
• Fazit:
Gerade das Fehlen von Namen bei dieser Art von Charakteren lässt sie wie belanglose Deko wirken, wodurch dem Leser jegliche Möglichkeit der Identifikation fehlt.
Die Frage, die man sich selbst stellen kann, ist: Hat das Individuum irgendeine Relevanz, wie wahrscheinlich kennt der Protagonist den Charakter namentlich und schaffe ich hier als Autor unnötigerweise Distanz?